Insulintherapie bei Typ-1-Diabetes
Da die Bauchspeicheldrüse bei Menschen mit Typ-1-Diabetes kein oder nicht ausreichend eigenes Insulin produziert, müssen die Patienten es regelmäßig spritzen. Fast alle Patienten mit Typ-1-Diabetes behandeln sich heute mit der intensivierten konventionellen Therapie (ICT). Mit dieser Methode lässt sich der Blutzucker-Spiegel sehr gut kontrollieren und man muss nicht mehr, wie früher, feste Essenszeiten und Kohlenhydratmengen einhalten. Der Diabetiker kann also seinen Tagesablauf recht flexibel gestalten.
Die Intensivierte konventionelle Therapie (ICT)
Therapiestandard bei Typ-1-Diabetikes ist die ICT. Hier versucht man durch Gabe von Normal- und Verzögerungsinsulin die Insulinausschüttung einer gesunden Bauchspeicheldrüse nachzuahmen. Das wesentliche Prinzip der ICT besteht in einer Trennung von Mahlzeiten-Insulin und Basis-Insulin.
- Der Mahlzeiten-unabhängige Grundbedarf wird durch (lang wirkendes) Basalinsulin gedeckt (40–50 % des Tagesinsulins).
- Die Blutzuckeranstiege nach den Mahlzeiten fangen kurz wirkende Insuline auf (so genannter Bolus aus normalem Humaninsulin oder kurzwirksamen Insulin-Analoga). Sie dienen auch zur Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte.
Der Insulin-Grundbedarf des Körpers sollte im Rahmen der Einstellung und Dosisfindung möglichst genau gemessen und später immer wieder überprüft werden (Basalraten-Test). Die Dosis des Bolus-Insulins wird separat berechnet, indem man den Kohlenhydratgehalt seiner Mahlzeit abschätzt und körperliche Bewegung (Sport, Gartenarbeit etc.) davor und danach mit berücksichtigt. Die Methode setzt natürlich voraus, dass Betroffene die Zusammensetzung ihrer Mahlzeiten (insbesondere den Kohlenhydratgehalt) gut einschätzen können. Sie gestattet dafür aber auch ein hohes Maß an Flexibilität, was Zeitpunkt und Umfang der Mahlzeiten oder auch sportliche Aktivitäten betrifft.
Therapie mit Insulinpumpe
Von den ca. 300.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes, wurden bisher über 40.000 in der Insulinpumpentherapie unterwiesen.(1) Diese liefert kontinuierlich die Basalversorgung, die sich sehr fein einstellen lässt. Die Pumpe liefert aber auch die für die Mahlzeiten nötigen Insulindosen. Eine Insulinpumpe erspart zwar die wiederholten Injektionen, das Einschätzen der Mahlzeit oder der körperlichen Aktivitäten, nimmt sie dem Patienten jedoch nicht ab. Trotzdem ist sie in vielerlei Hinsicht eine Erleichterung. So kann die Basalrate sogar kurzfristig angepasst und insgesamt sehr viel feiner eingestellt werden, als das mit zwei Spritzen pro Tag möglich ist.
Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes
Auch bei Typ-2-Diabetes kann eine Insulintherapie notwendig werden. Nämlich dann, wenn durch alleinige Lebensstiländerungen und eine Therapie mit oralen Antidiabetika das individuelle Therapieziel nicht erreicht wird oder wenn Kontraindikationen gegen orale Antidiabetika bestehen. Dabei werden unterschiedliche Arten von Insulin verwendet, denn viele unterschiedliche Faktoren, individuelle Bedürfnisse und die Lebenssituation des Patienten machen verschiedene Vorgehensweisen erforderlich.
Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über einzelne, gebräuchliche Therapieformen und für wen sie geeignet sind.
Konventionelle Insulintherapie (CT)
Vor dem Frühstück und Abendessen wird eine feste Dosis Mischinsulin gespritzt, also eine Mischung aus kurz- und langwirkendem Insulin (z.B. 30/70 = 30 % kurz und 70 % langwirkendes Insulin). Die morgendliche Spritze enthält das Insulin für den ganzen Tag, die abendliche für den Abend und die Nacht. Die CT kann mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten kombiniert werden.
Vorteil dieser Therapie ist insbesondere die simple Handhabung. Das einfache Therapieschema ist geeignet für Patienten mit regelmäßigem Tagesablauf und konstanten Ernährungsgewohnheiten. Allerdings lässt sich durch die starre Insulingabe der Diabetes oft nicht so einfach gut einstellen. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, können vormittags und nachts Zwischenmahlzeiten erforderlich werden. Durch diese zusätzlichen Essen besteht die Gefahr der Gewichtszunahme; das ist bei Übergewicht natürlich unerwünscht – was besonders bei Typ-2-Diabetes gilt.
Intensivierte konventionelle Therapie (ICT)
Den Grundbedarf deckt lang-wirkendes Insulin, das man in der Regel nur einmal täglich vor der Nacht spritzt. Zu den Mahlzeiten wird kurz-wirkendes Insulin gespritzt, dessen Dosis der Patient selbst anpasst.
Diese Methode eignet sich besonders bei flexiblen Essenszeiten und variierenden Mahlzeiten sowie wechselndem Tagesablauf. Die ICT kann an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten so variabel angepasst werden, dass fast völlige Freiheit bei der Wahl der Mahlzeiten und der zeitlichen Abläufen herrscht. So kann das Mahlzeiten-Insulin in einer festen, täglich wiederkehrenden Dosis gespritzt werden. Die Insulindosis kann aber bei Bedarf auch je nach dem wechselnden Kohlenhydratgehalt der Mahlzeiten recht flexibel errechnet werden.
Basal unterstützte orale Therapie (BOT)
Bei dieser Methode spritzt man einmal täglich ein sehr lang-wirkendes Insulin – zusätzlich zur Einnahme von Tabletten. Sie ist vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes geeignet, bei denen die morgendlichen, nüchtern gemessenen Blutzuckerwerte zu hoch sind. Allerdings kann das tagsüber immer noch wirkende Insulin bei manchen Patienten zu Unterzuckerung bei körperlicher Aktivität. Oder sie nehmen an Gewicht zu, weil sie die Unterzuckerung durch zusätzliches Essen ausgleichen müssen.
Supplementäre Insulintherapie (SIT)
Hat ein Mensch mit Typ-2-Diabetes nach dem Essen deutlich erhöhte Blutzuckerwerte, kann die supplementäre (ergänzende) Insulintherapie angewandt werden. Sie trägt diese Bezeichnung, weil man ergänzend zur ungenügenden körpereigenen Insulinwirkung, jeweils vor den Hauptmahlzeiten zusätzlich kleine Dosen von kurz-wirksamen Analoginsulin spritzt. Das ist günstig für die Gewichtsentwicklung und wird besonders in Kombination mit oralen Antidiabetika angewandt.
Quellen:
(1) Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2017 http://www.diabetesde.org/system/files/documents/gesundheitsbericht_2017.pdf
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