Medikamente, die bei rheumatoider Arthritis eingesetzt werden, sollen folgende Wirkungen erzielen:
- Gelenkschmerzen reduzieren (Schmerzmittel)
- Schwellungen und Entzündungen lindern (entzündungshemmende Mittel)
- den Krankheitsverlauf verlangsamen oder aufhalten
Folgende Gruppen von Wirkstoffen werden heute hauptsächlich eingesetzt:
Nichtsteroidale Antirheumatika
Die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) (nichtsteroidale Antirheumatika) sind Schmerzmittel mit gleichzeitig entzündungshemmenden Eigenschaften. Dadurch sind sie zur Behandlung der entzündlichen Schmerzen bei rheumatoider Arthritis besonders geeignet.
Diese Medikamente reduzieren die Symptome der Entzündung, verlangsamen aber nicht das Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis. Wenn Sie eine mittelschwere bis schwere rheumatoide Arthritis haben, werden Sie wahrscheinlich noch andere Medikamente benötigen, um Gelenkschäden zu verhindern.
Es gibt rezeptfreie NSAR, wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac. Die meisten Menschen mit rheumatoider Arthritis benötigen aber ein verschreibungspflichtiges NSAR, das höhere Wirkstoffkonzentrationen enthält und damit den Betroffenen besser helfen kann.
Krankheitsmodifizierende Antirheumatika
Ist die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis gesichert, wird der Arzt direkt eine immunsuppressive Basistherapie mit einem krankheitsmodifizierenden Antirheumatikum einleiten. Diese Medikamente – oft kurz DMARDs (Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs) genannt – werden unabhängig von akuten Beschwerden regelmäßig und dauerhaft angewendet und daher oft auch als Basistherapie bezeichnet. Sie helfen, die rheumatoide Arthritis zu verlangsamen oder aufzuhalten und beugen so Gelenkschäden vor. In der Regel verschreiben Ärzte zuerst Methotrexat zur Behandlung von rheumatoider Arthritis, da dieses Medikament eine gute Wirksamkeit bei überschaubaren Nebenwirkungen bietet. Wenn das allein die Entzündungsreaktion nicht bremst, wird man versuchen, die Dosis zu erhöhen oder einen anderen Typ von DMARD einzusetzen. Man unterscheidet zwischen „klassischen“ und „biologischen“ krankheitsmodifizierenden Medikamenten.
Klassische DMARDs
Klassische krankheitsmodifizierende Medikamente werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt. Sollte für Methotrexat eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit bestehen, können weitere Basismedikamente wie Sulfasalazin, Hydroxychloroquin und Leflunomid zum Einsatz kommen.
Die klassischen DMARDs unterdrücken alle das Immunsystem, aber sie unterscheiden sich deutlich in ihrem Wirkungsmechanismus und sind nicht selektiv in ihren Zielen.
Mit DMARDs, insbesondere Methotrexat, konnte man in der Therapie schwerer rheumatoider Arthritis dramatische Verbesserungen erzielen.
Biologika (Biologische DMARDs)
Helfen Methotrexat oder andere DMARDs nicht ausreichend, kann der Arzt auf neuere Immunsuppressiva, die so genannten Biologika zurückgreifen. Biologika werden in der Therapie besonders schwerer Fälle der rheumatoiden Arthritis eingesetzt, z. B. bei Patienten, die trotz sehr kurzer Erkrankungsdauer bereits deutliche Schädigungen der Gelenke aufweisen. Biologika sind genetisch veränderte Proteine, die aus Zellkulturen gewonnen werden und die bestimmte Signalstoffe des körpereigenen Abwehrsystems hemmen. Dadurch blockieren sie spezifische Entzündungen der rheumatischen Erkrankungen. Es gibt verschiedene Biologika, die auf verschiedene Teile des Immunsystems abzielen.
Biologika können Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit lindern und helfen auch bei Ermüdungserscheinungen. Da Biologika das Immunsystem unterdrücken, erhöhen sie jedoch gleichzeitig auch das Risiko einer Infektion.
Glukokortikoide (Kortison)
Bei schwerer rheumatoider Arthritis oder bei akuten Rheuma-Schüben kann Ihr Arzt Kortisonpräparate, wie zum Beispiel Prednisolon, gegen die Schmerzen und Steifheit der betroffenen Gelenke verschreiben. Glukokortikoide helfen die Gelenkschwellungen und die damit verbundenen Schmerzen zu reduzieren. Ihre Wirkung setzt schneller ein und ist stärker als die von NSAR. Glukokortikoide werden auch in Kombination mit DMARDs eingesetzt, weil sie deren entzündungshemmende Wirkung verstärken können.
Glukokortikoide können allerdings auch eine Reihe von ernsthaften Nebenwirkungen haben, wenn sie längerfristig eingenommen werden. Deswegen werden sie oft als örtliche Behandlung in einzelne Gelenke gespritzt, um stärker entzündete Gelenke gezielt zu behandeln. Das Risiko von Nebenwirkungen im Rest des Körpers ist bei dieser Anwendung geringer.
Allgemeines zur medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis
Natürlich hat jedes Arzneimittel Nebenwirkungen und nicht alle Menschen vertragen Medikamente gleich gut. Nebenwirkungen lassen sich also nicht immer ausschließen – auch wenn das Risiko hierfür meistens gering ist. Viele Menschen akzeptieren das Risiko, weil sie merken, dass ihnen ein Arzneimittel hilft und dass sie mit dem Medikament im Alltag besser zurechtkommen. Auch wenn Sie also Bedenken haben, dauerhaft Medikamente einnehmen zu müssen, sollte Sie das nicht von einer effektiven Therapie abhalten. Die Vorteile sind meist weit größer als eventuelle Nebenwirkungen.
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