Was ist ein E-Rezept?

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Wie das E-Rezept eingelöst wird und welche Vorteile es hat
Die Zukunft ist papierlos – so auch bei der Verschreibung von Medikamenten. Neben dem rosa Papierschein gibt es nun das elektronische Rezept (E-Rezept) auf Papier mit Rezeptcode oder auf die E-Rezept-App. Aber was genau ist das E-Rezept eigentlich und wie funktioniert es?
Unter einem E-Rezept, auch „elektronisches Rezept“ oder „Online-Rezept“ genannt, versteht man eine digitale Version der herkömmlichen Verschreibung. Also eine elektronische Variante des meist rosafarbenen Zettels, der in der ärztlichen Praxis ausgestellt wird, damit verschreibungspflichtige Medikamente in der Apotheke für die Behandlung abgegeben werden dürfen. Der gesamte Austausch zwischen medizinischem Fachpersonal, Patientinnen und Patienten, Apotheke und Krankenkasse über die Abgabe eines verschreibungspflichtigen Medikaments soll zukünftig elektronisch stattfinden.
Gesetzliche Grundlage für den Einsatz eines solchen E-Rezepts ist das „Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (Patientendaten-Schutz-Gesetz- PDSG)“ vom 20. Oktober 2020.
Die wichtigsten Fakten zum E-Rezept?
Das E-Rezept (elektronisches Rezept) ist eine digitale Form des klassischen Papierrezepts und enthält alle wesentlichen Informationen, die für die Verordnung und Abgabe von Medikamenten oder anderen medizinischen Leistungen erforderlich sind.
Welche Infos enthält das E-Rezept?
Das E-Rezept beinhaltet in der Regel folgende Informationen:
- Patientendaten: Name, Geburtsdatum, Adresse
- Versicherungsdaten: Angaben zur Krankenversicherung einschließlich der Versicherungsnummer, was für die Abrechnung zwischen Apotheke und Krankenkasse wichtig ist.
- Arztdaten: Name, Kontaktdaten, Arztnummer und eventuell die Berufsbezeichnung des verschreibenden Arztes oder der Ärztin.
- Datum der Ausstellung: Das Datum, an dem das Rezept ausgestellt wurde.
- Medikamentendetails: Name des Medikaments, Dosierung, Anzahl der Packungen und gegebenenfalls Anweisungen zur Einnahme. Dies schließt die Formulierung (z. B. Tabletten, Salbe) und die Stärke des Medikaments ein.
- Gültigkeitsdauer: Wie lange das Rezept gültig ist.
- Sicherheitsmerkmale: Digitale Signaturen oder andere Sicherheitsmechanismen, um die Echtheit und Integrität des Rezepts zu gewährleisten.
Diese Informationen stimmen im Wesentlichen mit denen auf dem ehemaligen Papierrezept überein.
E-Rezept: Seit wann gilt es und wo ist es Pflicht?
Seit dem 01.01.2024 ist das Ausstellen eines E-Rezepts in Deutschland verpflichtend. Das bedeutet, dass die Verordnungen von den Patientinnen und Patienten nun über drei Wege in der Apotheke einlösbar sein sollen: per eGK, E-Rezept-App oder einen Papierausdruck. Bis die vollständige Umstellung auf das E-Rezept flächendeckend erfolgt ist, wird es dennoch weiterhin das herkömmliche rosa Rezept geben. Sollten Ärzte oder Ärztinnen keine E-Rezepte ausstellen, kann es Honorarkürzungen von bis zu 1% geben.
In 17 europäischen Ländern können Rezepte bereits elektronisch eingelöst werden, darunter Schweden, Portugal, Kroatien und die Niederlande. Die E-Health-Behörden der EU erarbeiten bereits Konzepte, wie in Zukunft E-Rezepte sicher über Landesgrenzen hinweg verwendet und auch Patientenkurzakten zwischen Mitgliedsstaaten ausgetauscht werden können. E-Rezepte aus Finnland sind beispielsweise bereits seit 2019 in Estland einlösbar. Apotheken sind jedoch seit September 2022 flächendeckend in der Lage, über die Telematikinfrastruktur (das digitale Gesundheitsnetz für Deutschland) E-Rezepte einzulösen und mit Krankenkassen abzurechen.
Wie wurde das E-Rezept eingeführt?
Die Einführung des E-Rezepts in Deutschland war ein mehrstufiger Prozess, der über mehrere Jahre hinweg erfolgte und mit verschiedenen gesetzlichen, technischen und organisatorischen Herausforderungen verbunden war. Der erste wesentliche Schritt zur Implementierung elektronischer Verschreibungen wurde mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) im Jahr 2019 unternommen. Dieses Gesetz forderte die Schaffung der notwendigen gesetzlichen und technischen Voraussetzungen bis Mitte 2020.
Trotz dieser frühen Bemühungen dauerte es einige Zeit, bis das E-Rezept flächendeckend eingeführt wurde. Ein wichtiger Meilenstein war die verpflichtende Ausstellung von E-Rezepten für verschreibungspflichtige Medikamente zum 1. Januar 2024. Vor der bundesweiten Einführung gab es umfangreiche Testphasen, die zunächst in Regionen wie Berlin und Brandenburg durchgeführt wurden, um Erfahrungen zu sammeln und das System zu optimieren.
Wie funktioniert das E-Rezept?
Nach einer Untersuchung oder einem Beratungsgespräch erstellt die Ärztin oder der Arzt im Praxisverwaltungssystem (PVS) ein Rezept. Die Patienten können entscheiden, ob das Rezept elektronisch bereitgestellt werden soll oder als Ausdruck auf Papier.
E-Rezept: Einlösen per Shop Apotheke App und eGK
Das E-Rezept lässt sich über die Shop Apotheke App in Kombination mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) einlösen. Das ist möglich, seit diese mit der kontaktlosen Schnittstelle NFC (Near Field Communication) ausgestattet ist sowie durch Einführung der eHealth-CardLink Funktion. Zum Einlösen reicht es, in der App die Krankenkassennummer einzugeben und die Mobilfunknummer für den Bestätigungscode zu hinterlegen und die NFC-fähige eGK an das Mobiltelefon zu halten. In der App lassen sich bis zu 10 Krankenkassen hinterlegen. Das macht es möglich, auch für Familienangehörige E-Rezepte zu empfangen und einzulösen. Mehr zum E-Rezept auf der Krankenkassenkarte erfahren Sie hier.
So lässt sich das E-Rezept über die eGK in der Apotheke vor Ort einlösen
Die NFC-Funktion auf der eGK ermöglicht es auch, das E-Rezept in der Vor-Ort-Apotheke einzulösen. Dafür benötigt die Apotheke lediglich ein Kartenterminal. Ähnlich wie bei der Bezahlung mit der Bankkarte im Supermarkt, reicht es, die Karte kurz aufzulegen.
So wird das Papier-E-Rezept eingelöst
Die Apotheke scannt in diesem Fall den Code und gibt die Medikamente aus. Mit dem Papierdruck können Sie Ihr E-Rezept zudem in einer Online-Apotheke Ihrer Wahl einlösen. Mit der Shop Apotheke App auf dem Smartphone scannen Sie den QR-Code und wir liefern Ihnen Ihre Medikamente.
Außerdem wird automatisch ein QR-Code an die E-Rezept-App der gematik versendet, der auf dem eigenen Smartphone angesehen werden kann. Zum Einlösen des Rezepts kann danach eine lokale oder Online-Apotheke ausgewählt werden, die über den QR-Code die Details des Rezepts einsieht. Bei einer lokalen Apotheke muss noch einmal der QR-Code vorgezeigt werden, wenn das Medikament abgeholt wird.
Für die Übermittlung des E-Rezepts wird die sichere Telematikinfrastruktur (TI) der gematik verwendet. Patientinnen und Patienten können entscheiden, ob sie ihr E-Rezept mit einer sicheren E-Rezept-App verwalten und per Smartphone an die gewünschte Apotheke ihrer Wahl senden.
Was ist die gematik?
Die gematik ist für die Entwicklung der Telematikinfrastruktur in Deutschland zuständig und daher mitverantwortlich dafür, dass die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens sicher und funktional umgesetzt wird.
Was ist für die Zukunft geplant?
Das Bundesgesundheitsministerium plant, neben dem E-Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel zukünftig auch alle weiteren veranlassten medizinischen Leistungen schrittweise elektronisch zu verordnen. So soll es etwa ab Mitte 2025 möglich sein, Betäubungsmittel mit dem E-Rezept einzulösen. Ausgenommen sind Versandapotheken mit Sitz im Ausland, da die Ausfuhr von Betäubungsmitteln laut Betäubungsmittelgesetz (BtMG) nicht zulässig ist. Heilmittel, wie beispielsweise die Ergotherapie sollen etwa ab Anfang 2027 und Hilfsmittel, wie Rollatoren ca. ab Mitte 2027 verordnet werden können.
Was sind die Vorteile des E-Rezepts?
Eine elektronische Übermittlung von Rezepten bietet viele Vorteile für alle Beteiligten. Dazu zählen:
- Bessere ärztliche Versorgung und Verbesserung des Arztbesuches für Berufstätige vor allem auf dem Land
- Schnelles, digitales Erstellen von Folgerezepten, wodurch zudem Brief- und Portokosten gespart werden
- Bessere Kommunikation zwischen allen Beteiligten (Versicherte, ärztliche Praxis, Apotheke, Krankenkasse)
- Vermeidung von zeitraubenden Rückfragen
- Fehlerquellen bei der Verordnung vermeiden (z. B. unleserliche Handschrift oder falsch interpretierte Rezepte)
- Versand, Bestellung und Abrechnung verläuft schneller und einfacher, was dem Praxispersonal Zeit spart
- Rezepte können für Angehörige eingelöst werden
- Das Praxisverwaltungssystem (PVS) prüft die Angaben auf dem E-Rezept auf Vollständigkeit, so dass in der Regel keine Fehler vorliegen sollten
- Die ärztliche Unterschrift erfolgt digital
Werden E-Rezepte direkt nach einer Videosprechstunde ausgestellt und die Medikamente von der Apotheke geliefert, können Menschen, die nicht mobil sind, unnötige Wege vermeiden.
Neben Videosprechstunden und E-Rezepten plant die Bundesregierung allgemein einen weiteren Ausbau von E-Health-Lösungen. Diese sollen die Interaktionen zwischen den zu Behandelnden, medizinischem Fachpersonal, Apotheken und Krankenkassen nicht nur einfacher gestalten, sondern die Behandlung auch sicherer und erfolgreicher machen. Wenn beispielsweise elektronische Medikationspläne zum Einsatz kommen, können verordnete Medikamente direkt darin aufgenommen werden. Durch einen Wechselwirkungscheck ließen sich damit Medikamente vermeiden, die die Wirkung der bisher eingenommenen Medikation beeinflussen könnten. Mit automatischen Medikationserinnerungen könnten Patientinnen und Patienten zusätzlich sicherstellen, dass sie alle Medikamente rechtzeitig einnehmen. Auf diese Weise wird die Behandlung noch bequemer und sicherer.
Fazit
Das E-Rezept markiert einen bedeutenden Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitssystems. Es bietet erhebliche Vorteile wie die Vereinfachung von Prozessen und erhöhte Zugänglichkeit durch digitale Einlösungsmöglichkeiten. Trotz seiner Vorteile war die Einführung des E-Rezepts ein komplexer und langwieriger Prozess, der mit technischen und organisatorischen Herausforderungen verbunden war. Die schrittweise Einführung hat jedoch zu einer verbesserten Akzeptanz und Optimierung des Systems geführt.
Veröffentlicht am: 02.03.2021
Letzte Aktualisierung: 06.06.2024
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Quellen
[1] Bundesministerium für Gesundheit. Elektronisches Rezept (E-Rezept) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/e-rezept.html
[2] Gematik. E-Rezept. Der schnelle Weg zum richtigen Medikamenthttps://www.gematik.de/anwendungen/e-rezept/
[3] Bundesministerium für Gesundheit. Patientendaten-Schutz-Gesetz. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/patientendaten-schutz-gesetz.html
[4] Gematik. Das E-Rezept für Deutschland. https://www.das-e-rezept-fuer-deutschland.de/
[5] Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Heilmittel https://www.kbv.de/html/heilmittel.php#:~:text=Heilmittel
[6] Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV): Leistungserbringer ermöglichen mit dem E-Rezept mehr Komfort für Privatversicherte. https://www.pkv.de/wissen/versorgung/digitale-medizin/informationen-fuer-aerzte/leistungserbringer-schaffen-mit-dem-e-rezept-mehr-komfort-fuer-privatversicherte/
[7] Stiftung Gesundheitswissen. Wie funktioniert das E-Rezept? https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/e-health-trends/wie-funktioniert-das-e-rezept