Adipositas App – E-Health im Kampf gegen Übergewicht

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Zusammenfassung
Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sind ein weltweit zunehmendes Gesundheitsproblem. Immer mehr Menschen bringen zu viele Kilos auf die Waage. Ursachen sind zumeist eine ungesunde und übermäßige Ernährung und zu wenig Bewegung. Ärzte raten Betroffenen dann zu einer Ernährungsumstellung. Lässt sich diese im Zeitalter der Digitalisierung auch mithilfe von Ernährungs-Apps erreichen oder braucht es doch welche speziell für Adipositas?
Viele Menschen, Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche, sind übergewichtig oder sogar fettleibig, und die Zahl steigt immer weiter an. Die Ursache liegt oft in einer falschen und zu kalorienreichen Ernährung. Tipps dazu, wie ein gesunder und ausgewogener Speiseplan aussieht, mit dem zusätzlich ein paar Kilos verschwinden, können sich Betroffene auf vielen Internetseiten zum Thema oder über digitale Anwendungen wie Apps holen.
Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn viele der Information sind für die Allgemeinheit gedacht und berücksichtigen oft nicht die persönliche Situation. So werden beispielsweise Vorerkrankungen regelmäßig vernachlässigt, obwohl sie oft der Auslöser oder Begleiterscheinungen des Übergewichts sind. Betroffene benötigen daher individuell angepasste Hilfe. Bieten Ernährungs- und Abnehm-Apps bereits eine Lösung oder muss es die medizinische Gesundheits-oder Adipositas-App sein?
Mit Ernährungs-Apps gegen das Übergewicht
Zahlreiche Apps, die es für iOS und Android gibt, haben dem Übergewicht den Kampf angesagt. Dazu gehören Ernährungs- oder spezielle Abnehm-Apps. Im Grunde verfolgen beide Kategorien von Apps das gleiche Ziel: mit gesunder Ernährung Gewicht verlieren und langfristig halten.
Übergewicht steht in einem engen Zusammenhang mit einer zu großen Menge an Kalorien, die täglich zugeführt, jedoch nicht verbraucht wird. Sich über die richtige und maximal notwendige Kalorienanzahl bewusst zu werden, ist ein großer Schritt hin zu weniger Kilos auf der Waage. Dabei sollen Kalorienzähler-Apps helfen. Die einfachste Variante sind Barcode-Scanner wie die CodeCheck App, welche die Inhaltstoffe, Nährwerte und Kalorien des jeweiligen Produktes anzeigen. Allerdings liefern die Apps lediglich Informationen zum Kalorienstatus, sie leiten nicht zu individuell angepassten Abnehm-Strategien an.
Etwas weiter geht da die YAZIO App, die ebenfalls Kalorien zählt, aber auch viele gesunde, kalorienreduzierte und an verschiedenen Ernährungsstilen und -wünschen ausgerichtete Rezepte anbietet. Nutzer können sich damit einen individuell optimierten Ernährungsplan erstellen. Die YAZIO App unterscheidet sogar zwischen den Geschlechtern und bietet Abnehm-Methoden für Männer und Frauen an. Andere bekannte Anwendungen, die ähnlich funktionieren, sind zum Beispiel die Lifesum App oder Lose It App.
Die meisten dieser Apps, so auch die Noom App, versprechen dabei, dass Nutzer mit ihnen abnehmen können, ohne eine Diät machen zu müssen, zu hungern oder den berühmten Jo-Jo-Effekt fürchten zu müssen.
Einige der Abnehm-Apps wie MyFitnessPal App binden das Thema Bewegung mit ein. Sie lässt sich nämlich mit vielen anderen digitalen Helfern wie Fitness-Bänder oder Smartwatches verbinden, die unterschiedliche Fitness-Parameter tracken. Mit ihnen können Nutzer zum Beispiel ihre Schritte zählen oder andere Vitalwerte aufnehmen. MyFitnessPal integriert die Daten dann in das Ernährungsprotokoll und gibt so dem Nutzer einen umfassenden Überblick über seine Abnehm-Erfolge. Die MyFitnessPal App lässt sich zudem mit der digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) Zanadio verknüpfen und unterstützt somit das medizinische Management von Adipositas. Sie bietet außerdem über einen Blog Informationen an und liefert Anregungen, wie Nutzer in Bewegung kommen und bleiben können. In einer Community ist es Nutzern außerdem möglich, sich mit anderen Betroffenen über die unterschiedlichen Abnehm-Strategien und Erfolge auszutauschen.
Adipositas: Ernährungsverhalten analysieren
Wer übergewichtig oder sogar adipös ist und abnehmen möchte, braucht zumeist mehr als ein paar Kalorien weniger am Tag und gesunde Lebensmittel im Speiseplan. Hier geht es um eine umfassende Ernährungsumstellung. Dazu muss sich die betreffende Person zunächst über die Art ihrer Ernährung klar werden, also warum was wann gegessen wird. Hierfür bieten bereits einige Gesundheits-Apps, die nicht allein die Ernährung als Fokusthema haben, Funktionen an, mit denen Anwender ihr Ernährungsverhalten analysieren können. So zum Beispiel die App TK-Coach von der Techniker Krankenkasse. Mit ihrer Hilfe sollen Nutzer über einen Selbsttest ihr Ernährungsverhalten überprüfen können. Zusätzlich erhalten sie Anregungen, wie sich ihre Ernährung gesünder gestalten lässt. Anreize bietet ein Kochbuch mit verschiedensten Rezepten.
Um das Essverhalten zu analysieren, ist eine möglichst lückenlose Dokumentation der verzehrten Lebensmittel wichtig. Nur so erhält die betreffende Person einen Überblick darüber, was sie isst. Denn es sind oft die kleinen süßen und salzigen Snacks, die unbedacht und häufig über den Tag hinweg gegessen werden, in denen überschüssige Kalorien stecken. Über die machen sich viele Menschen jedoch keine Gedanken oder ignorieren sie. In digitalen Ernährungstagebüchern wie dem der Was ich esse App des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) können Nutzer alles festhalten, was sie verzehren. Die App wertet die Daten anhand des Ernähungspyramidenmodells aus und erstellt ein Ernährungsprotokoll, das auf Wunsch einfach per WhatsApp, SMS oder E-Mail geteilt werden kann, zum Beispiel mit einem Ernährungsberater.
Medizinische Gesundheits-Apps bei Adipositas
Für Menschen mit starkem Übergewicht oder Adipositas gibt es Hilfe in Form von zwei DiGA, die Oviva App und die Zanadio App. Bei diesen handelt es sich um konkrete Adipositas-Apps, die Ärzte im Rahmen der Adipositas-Therapie verschreiben können. Da sie als Apps auf Rezept erhältlich sind, übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten dafür. Vorteil dieser Apps ist: Sie sind medizinisch zertifiziert und ihre Wirksamkeit ist somit nachgewiesen. Die Chance, mit ihrer Hilfe erfolgreich abzunehmen und das Gewicht auch langfristig zu halten, ist deutlich höher als mit den herkömmlichen Ernährungs- oder Abnehm-Apps.
Beide Apps umfassen Funktionen wie ein Ernährungstagebuch und Möglichkeiten, Vitalwerte zu dokumentieren. Die betroffene Person wird so darin geschult und motiviert, sich selbst zu beobachten und zu kontrollieren (Selbst-Monitoring). Das ist wichtig, denn am Ende geht es darum, dass sie für sich herausfindet, welche Speisen oder Aktivitäten am besten zu ihrer Persönlichkeit passen und wie sie sich in den Alltag integrieren lassen.
Dann kann die Adipositas-App dabei die Verhaltensweisen unterstützen, die zu einer gesunderen Ernährung und zu mehr Aktivität und Bewegung führen. Außerdem bieten die Apps viele Lerninhalte, Aufgaben mit Erfolgskontrollen und Motivationsgeber (Nudges) zum Weitermachen an. Nutzer erhalten zudem Feedback, was den Lerneffekt zusätzlich steigert. Die verschiedenen Lerneinheiten sind in Textform oder als Videos in der jeweiligen Mediathek zu finden.
Die Nutzung erfolgt im Wesentlichen eigenständig. Über die Zanadio App können Anwender aber auch direkt über eine Chat-Funktion mit einem Berater in Kontakt treten. Da die Apps Teil des Adipositas-Programms sind, erfolgt ein regelmäßiger Austausch darüber mit Ärzten, Therapeuten, Trainern und Ernährungsberatern.
Mit diesen Adipositas-Apps lässt sich auf diese Weise zudem eine Versorgungslücke schließen. Nutzer können Termine leicht eigenständig planen und auch dann wahrnehmen, wenn mal nicht die Möglichkeit besteht, in die Praxis zu gehen. Das gilt besonders für Menschen auf dem Land, die oft wegen der dort gegebenen öffentlichen Infrastruktur nicht so mobil sind wie in der Stadt. Kommen bei einem sehr großen Körpergewicht noch körperliche Einschränkungen hinzu, erschwert dies die Situation zusätzlich.
Fazit zu Ernährungs- und Adipositas-Apps
Ernährungs- und Abnehm-Apps können Menschen mit Übergewicht durchaus dabei helfen, sich bewusster mit Lebensmitteln und dem eigenen Essverhalten auseinanderzusetzen. Allerdings berücksichtigen sie in der Regel keine (Vor-) Erkrankungen und leiten zudem nicht ausreichend und gezielt zu Verhaltensänderungen an. Sie sind daher für Menschen mit Adipositas, die ein starkes und oft krankheitsbedingtes Übergewicht haben, weniger zur Gewichtsreduktion geeignet. Experten raten dazu: Wer stark übergewichtig oder adipös ist, sollte eine Ernährungsumstellung im Idealfall in ärztlicher Rücksprache durchführen und sich fachliche Hilfe wie eine Ernährungsberatung suchen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Therapeuten, ob eine Adipositas-App für Sie als zusätzliche Unterstützung infrage kommt. Als zertifizierte Medizinprodukte können diese digitalen Anwendungen die Adipositas-Therapie und das Abnehmen effektiv unterstützen und langfristig für ein gesundes Gewicht sorgen.
Veröffentlicht am: 17.05.2024
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Quellen
[1] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Starkes Übergewicht (Adipositas). https://www.gesundheitsinformation.de/starkes-uebergewicht-adipositas.html#Behandlung
[2] Deutsche Familienversicherung. Gesund abnehmen: Mit diesen Tipps klappt es dauerhaft. https://www.deutsche-familienversicherung.de/krankenhauszusatzversicherung/ratgeber/artikel/gesund-abnehmen-mit-diesen-tipps-klappt-es-dauerhaft/
[3] Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte. Oviva Direkt für Adipositas. https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/00872
[4] Ovivo.com. Ernährungs-App Oviva – Bezahlt von der Krankenkasse. https://oviva.com/de/de/ernaehrungsapp/
[5] Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte. zanadio. https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/00294
[6] Bundeszentrum für Ernährung. App: Was ich esse. https://www.bzfe.de/app-was-ich-esse/
[7] Deutsche Apotheker Zeitung. Adipositas-App Zanadio – jetzt auch für Männer verordnungsfähig. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2023/03/29/adipositas-app-jetzt-auch-fuer-maenner-erstattungsfaehig
[8] Die Techniker. App TK-Coach - das smarte Komplettpaket für ein besseres Wohlbefinden. https://www.tk.de/techniker/magazin/digitale-gesundheit/apps/app-tk-coach-2143958