Diabetes-Apps helfen beim Umgang mit der Erkrankung

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Wie Senioren mit Diabetes von E-Health profitieren können
Wer an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) erkrankt, trägt die Verantwortung für einen großen Teil seiner Therapie selbst – bis ins hohe Alter. Doch im Alter gesellen sich häufig auch noch andere Erkrankungen hinzu. Dann können Diabetes-Apps Senioren und Seniorinnen dabei unterstützen, den Überblick über das eigene Diabetes-Management im Blick zu behalten. Mittlerweile gibt es einige Apps, die nicht nur auf jüngere, sondern auch auf ältere Menschen mit Diabetes mellitus (Typ-2- Diabetes) zugeschnitten sind.
Senioren offen für digitale Lösungen
Dabei stehen Seniorinnen und Senioren der digitalen Entwicklung offen gegenüber. Im Jahr 2020 gaben über 80 Prozent der älteren Befragten an, über E-Mails zu korrespondieren, sich über das Internet zu persönlichen Interessen zu informieren oder Nachrichten zu lesen. Dass ältere Menschen viel digital unterwegs sind und sich für das Medium interessieren, zeigte sich bereits im Jahr 2014: Drei von vier Personen über 65 wünschten sich digitale Möglichkeiten, um ihre Gesundheit zu verwalten. Wichtige Punkte waren ihnen dabei
- der Onlinezugang zu ihren Gesundheitsdaten,
- die Möglichkeit, online Termine zu vereinbaren,
- elektronische Erinnerungen einrichten zu können sowie die Kommunikation per E-Mail.
Gleichzeitig begrüßen besonders ältere Menschen einen schnellen und umfassenden Austausch mit Ärzten und Ärztinnen oder der Krankenkasse.
Mangelnde Unterstützung beim Umgang mit E-Health-Lösungen
Health-Apps zum Thema Diabetes unterstützen die Menschen, die sie verwenden, mit einer Vielzahl verschiedener Funktionen. So können beispielsweise in der App hinterlegte Nährwerttabellen dabei helfen, die tägliche Diät anzupassen, falls dies nötig sein sollte. Entsprechend eingestellte Alarme erinnern an die nächste Insulineinnahme oder es lässt sich ein Tagebuch führen und Einträge daraus teilen. Für junge Menschen mit Diabetes wie auch für fitte Seniorinnen und Senioren sind die Funktionen sehr hilfreich und eine kognitive Stütze. Zumal manche Apps eine automatisierte Feedbackfunktion bieten oder mittels Nachrichten die Anwendenden der App dazu motivieren, sich an die Behandlung zu halten.
Doch während der App-Markt zum Thema Diabetes einiges hergibt und die Health-Apps auch für Ältere im Allgemeinen passgenauer entwickelt werden, mangelt es manchen potentiellen Nutzern und Nutzerinnen an den nötigen Fähigkeiten oder an der Unterstützung durch Angehörige oder Pflegende, diese Apps anzuwenden. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich zusätzlich zum Diabetes mellitus auch eine Demenz-Erkrankung entwickelt und damit die Fähigkeit zum Selbstmanagement abnimmt.
Diabetes Apps auf Rezept:
Zu den digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs), die bei einer Diabetes mellitus Erkrankung ärztlich verschrieben werden können, zählen beispielsweise die Apps mebix, glucura Diabetestherapie, Una Health für Diabetes und Vitadio. Diese Anwendungen sind auch für Menschen über 65 Jahren geeignet und sollen beim Selbstmanagement der Zuckererkrankung helfen und dadurch gesundheitlichen Komplikationen vorbeugen. Zudem ist das Ziel die Wirksamkeit der ärztlich verordneten Therapie zu sichern.
Die genannten Apps haben beispielsweise folgende Funktionen:
- Aufgabenplan: Individuelle Tagesaufgaben (z. B. Wissensvermittlung, Vitalwert-Dokumentation, Aktivitätsmotivation, Ernährungs- und Medikationsplan) werden bereitgestellt.
- Mediathek: Lehrreiche Filmreihen und Beiträge z. B. zu Koronarer Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes mit Wissenstests; Inhalte sind auf den individuellen Aufgabenplan abgestimmt und archivierbar.
- Zielfestlegung: Nutzende setzen sich persönliche Gesundheitsziele (z. B. Gewichtsreduktion) und wählen Maßnahmen in den Bereichen Bewegung und Ernährung aus.
- Aktivitätsplan: Leitlinienbasierte Vorschläge oder eigene Auswahl von Bewegungseinheiten fördern die Aktivität.
- Ernährungsdokumentation: Ermittlung der Energie- und Ernährungsbilanz, Kochrezepte, Ernährungspläne können erstellt werden.
- Medikamentenplan: Push-Benachrichtigungen erinnern an die Einnahme von verschriebenen Medikamenten.
- Tagebuch: Dokumentation von Gesundheitszustand und Empfindungen.
Außerdem gibt es teilweise Tages- und Wochenauswertungen zur Erfolgsübersicht und Motivation. Die Synchronisation der Apps mit Fitnessdiensten (Google Fit, Apple Health) und Wearables wie Fitnessbändern oder Pulsuhren ist häufig möglich. In der Regel können die in der App eingetragenen Daten zur eigenen Verwendung oder die Nutzung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt exportiert und anschließend versendet oder für den nächsten Praxisbesuch ausgedruckt werden.
Die Kosten für diese vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im DiGA-Verzeichnis gelisteten Apps für Diabetes werden nach Ausstellung eines ärztlichen Rezeptes in der Regel von der Krankenkasse übernommen.
Welche Voraussetzung muss E-Health für Senioren mit Diabetes erfüllen?
Für die Deutsche Diabetes Gesellschaft ist im Hinblick auf E-Health für ältere Menschen mit Diabetes und eingeschränkten Fähigkeiten klar, dass die E-Health-Anwendungen alltagsgerecht gestaltet, das heißt, leicht zu verstehen und anzuwenden sein müssen. Darüber hinaus sollten sie sich in das soziale Umfeld integrieren lassen: So sollte es dem betreuenden Umfeld auf Basis einer elektronischen Patientenakte (ePA) mit allen hinterlegten relevanten Informationen möglich sein, eine Person beim Management ihrer Erkrankung zu unterstützen – persönlich, virtuell oder telefonisch. Das Telemonitoring, das heißt die Kontrolle und Auswertung von Gesundheitswerten auf elektronischem Wege/aus der Ferne, aber auch Coachingprogramme für die betroffenen Senioren und Seniorinnen können dabei sehr hilfreich sein. Dabei ist es wichtig, dass sich die Hilfestellung effektiv und schnell umsetzen lässt, damit die E-Health-Anwendung von allen Beteiligten gut angenommen wird.
Fazit
E-Health-Lösungen, insbesondere Diabetes-Apps, bieten Seniorinnen und Senioren mit Diabetes mellitus eine wertvolle Unterstützung, um das Selbstmanagement ihrer Erkrankung zu erleichtern. Die digitalen Anwendungen sind als Therapiebegleitung für die ärztlich verschriebene Therapie angedacht. Da Menschen über 65 Jahren zunehmend offen für digitale Technologien sind, passen solche Lösungen gut zu dem Bedürfnis nach mehr Kontrolle und Unterstützung in der Gesundheitsverwaltung.
Allerdings ist ein zentraler Aspekt die Benutzerfreundlichkeit: E-Health-Anwendungen müssen in der Regel alltagsgerecht, leicht verständlich und intuitiv bedienbar sein, um von älteren Menschen akzeptiert und wirklich genutzt zu werden. Zusätzlich ist es wichtig, dass Angehörige oder Pflegende unterstützend miteinbezogen werden, insbesondere bei kognitiven Einschränkungen der zu Betreuenden wie Demenz.
Veröffentlicht am: 04.03.2021
Letzte Aktualisierung: 04.12.2024
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Quellen
[1] Springer Medizin. Der Diabetologe. Telemedizin und technologische Hilfsmittel bei Diabetes im Alter. https://www.springermedizin.de/telemedizin-und-technologische-hilfsmittel-bei-diabetes-im-alter/17765452?searchResult=5.Michael%20Uhlig&searchBackButton=true&fulltextView=true
[2] ÄrzteZeitung. E-Health auch für ältere Diabetiker geeignet. https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/E-Health-auch-fuer-aeltere-Diabetiker-geeignet-410019.html
[3] Krankenkassen Deutschland. Diabetes-Apps. https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/apps/diabetes/
[4] Statista.de Was machen Sie zumindest ab und zu im Internet? https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1156209/umfrage/internetnutzung-von-senioren/
[5] Gesundheit Digital. Telemonitoring. https://gesund.bund.de/telemonitoring
[6] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). DiGA-Verzeichnis. https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis