Digitale Selbstvermessung – was das ist und was die Vorteile sind

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Zusammenfassung

Apps und digitale Fitnessgeräte, mit denen sich Schritte oder verbrannte Kalorien zählen, sportliche Fortschritte und Werte wie Blutdruck und Puls messen und dokumentieren lassen, sind weltweit beliebt. Lesen Sie hier, was digitale Selbstvermessung bedeutet und welche Vorteile sie mit sich bringt.
Digitale Selbstvermessung ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Menschen weltweit vermessen sich digital. Das bedeutet die Nutzung von Gesundheits-Apps und Fitnessgeräten, um täglich einige oder alle der folgenden Daten am eigenen Körper zu erheben und zu dokumentieren:
- Puls
- Blutdruck
- Tägliche Trinkmenge
- Aufgenommene und verbrauchte Kalorien
- Sporteinheiten und Sportarten
- gelaufene Schritte
- Menstruationszyklus
- Schlafrhythmus

Viele haben für sich die Vorteile der digitalen Selbstvermessung entdeckt, aber es bestehen auch Risiken.
Gesunder Ansporn und Selbstexpertisierung
Da sich die Fortschritte durch die kontinuierliche Datenerfassung nachvollziehen lassen, ist es jedem möglich, Potenziale zu erkennen und auszuschöpfen. So eine nachvollziehbare Selbstoptimierung kann sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken.
Gleichzeitig fördern Gesundheits-Apps und Fitness-Tracking-Geräte das Bewusstsein für die eigene Gesundheit und den Körper. Dies ist vor dem Hintergrund der Gesundheitsvorsorge möglicherweise hilfreich: Menschen, die solche Geräte nutzen, achten mehr auf sich sowie die Signale ihres Körpers und beschäftigen sich mehr mit gesundheitsrelevanten Themen – dieser Prozess nennt sich Selbstexpertisierung. Damit sind Menschen, die einen Arzttermin wahrnehmen, oft mündiger und können eventuelle Fragen gezielter stellen bzw. Antworten besser verstehen.
Ein weiterer Vorteil der digitalen Selbstvermessung ist, dass täglich gemessene Daten eine solide Grundlage für die Diagnostik in der ärztlichen Praxis darstellen können: Eine Messreihe, die in der gewohnten Umgebung erfasst wurde, ist möglicherweise aussagekräftiger als einzelne Werte, die in einer klinischen Umgebung wie einer ärztlichen Praxis erhoben wurden. So gehört beispielsweise der Blutdruck zu den Werten, die in der Praxis gemessen oft höher ausfallen, dies ist als die Weißkittelhypertonie bekannt. Durch die vielen Daten ist es unter Umständen auch möglich, eine nötige Therapie besser zu individualisieren.
Die digitale Selbstvermessung bietet noch weitere Potenziale: Menschen der Quantified-Self Community – bei denen es sich in der Regel um medizinische Laien handelt – konzipieren häufig im Rahmen der Personal Health Science kleine Forschungsstudien. Die so erhobenen Daten sind mitunter auch für die professionelle Wissenschaft relevant und interessant.
Wichtig: Sorgfältiger Umgang mit digitaler Selbstvermessung
Die Selbstvermessungstechnologien erheben Körper- und Gesundheitsdaten; lassen sich diese einer bestimmten Person zuordnen, sind diese Informationen sehr sensibel. Daher ist es wichtig, sich vor der Nutzung einer App darüber zu informieren, wie im Rahmen des Datenschutzes mit den Daten umgegangen wird.
Häufig fordern Fitness-Apps dazu auf, die Ergebnisse mit anderen Menschen der App-Community zu teilen, beispielsweise die gelaufenen Kilometer mit der entsprechenden Zeit. Einerseits kann dies zu mehr Leistung anspornen, aber auch zu Frust bei anderen Menschen führen, wenn sie für diesen künstlichen Wettbewerb nicht fit genug sind oder nur kleine Fortschritte an sich erkennen.
Die digitale Selbstvermessung kann bei manchen Menschen zu einer Datenabhängigkeit führen. Diese äußert sich beispielsweise darin, dass das Körpergefühl verloren geht und dadurch verstärkt Messungen vorgenommen werden. Dabei wird außeracht gelassen, dass es normal ist, dass zum Beispiel der Blutdruck im Tagesverlauf schwankt. Oft werden die gemessenen Werte dann als die einzige aussagekräftige Instanz wahrgenommen.
Durch digitale Selbstvermessung könnte eine Debatte darüber entstehen, inwieweit jeder Mensch selber für seine Gesundheit verantwortlich ist. Krankheit könnte dann zu einer Schuldfrage werden.
Fazit
Selbstvermessungstechnologien bieten viele Vorteile und ermöglichen es dem Einzelnen, sich intensiv mit dem eigenen Körper zu beschäftigen und die eigene Gesundheit zu fördern. Dies erhöht möglicherweise den Grad der Gesundheit einer Gesellschaft, wodurch Gesundheitskosten sinken könnten – jedoch ist die Datenlage noch zu gering, um diesen Effekt zu zeigen. Durch die Personal Health Science erhält die professionelle Wissenschaft eine große Menge an Daten. Für Menschen, die regelmäßig ihre Werte digital erfassen, ist es jedoch wichtig, das Gefühl für den eigenen Körper, was er leisten kann oder welche Symptome er zeigt, nicht zu verlieren – auch ohne Smartwatch oder App.
Veröffentlicht am: 01.03.2024
Quellen
Fraunhofer Institut. Digitale Selbstvermessung und Quantified Self. https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/cct/2016/Policy-Paper-Quantified-Self_Fraunhofer-ISI.pdf
Versicherungskammer Bayern. Selbstvermessung. https://www.vkb.de/content/magazin/beruf-freizeit/selbstvermessung/
aerzteblatt.de. Blutdruckeinstellung in Klinik häufig zu viel des Guten. https://www.aerzteblatt.de/blog/105427/Blutdruckeinstellung-in-der-Klinik-haeufig-zu-viel-des-Guten
Verschiedene Gesundheitskonzepte im Rahmen der digitalen Selbstvermessung; https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-34306-4_12