Spasmolytika − Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Spasmolytika sind eine Gruppe von Medikamenten, die zu einer Entspannung der sogenannten glatten Muskulatur der inneren Organe führen. Man unterscheidet zwischen Parasympatholytika, Sympathomimetika und myotropen Spasmolytika. Sie finden beispielsweise Anwendung bei Lungenerkrankungen oder Koliken, das heißt, wenn die Muskulatur in den Organen plötzlich verkrampft.
Unerwünschte Wirkungen sind unter anderem Magen-Darm-Beschwerden oder Herzrasen.
Was sind Spasmolytika?
Unter Spasmolytika werden alle Medikamente eingeordnet, die entspannend auf die glatte Muskulatur wirken. Im Gegensatz zur Skelettmuskulatur unterliegt die glatte Muskulatur nicht der willkürlichen Kontrolle.
Die glatte Muskulatur kleidet das Innere der Organe aus und ist beispielsweise in der Harn- oder Gallenblase sowie im Magen-Darm-Trakt zu finden. Hier übernimmt sie die Kontraktion, also das Zusammenziehen der Muskulatur, die für die Funktion der jeweiligen Organe essenziell ist.
Bei einigen Erkrankungen jedoch sorgen diese Kontraktionen für Schmerzen und Unwohlsein. Dann helfen Spasmolytika, die Muskulatur zu entspannen und die Beschwerden zu lindern.
Wie wirken Spasmolytika?
Es gibt verschiedene spasmolytisch, also muskelentspannend, wirkende Medikamente. Diese wirken nur auf die glatte Muskulatur – die Skelettmuskulatur, wie zum Beispiel die Oberarmmuskulatur, beeinflussen sie dabei nicht.
Man unterscheidet folgende Spasmolytika:
- Parasympatholytika
- Sympathomimetika
- Myotrope Spasmolytika
Parasympatholytika wirken auf die Bindungsstellen (Rezeptoren) des Botenstoffs Acetylcholin. Wenn sie diese Rezeptoren blockieren, kann der Botenstoff seine Wirkung nicht mehr entfalten, und die glatte Muskulatur kann sich weniger stark anspannen.
Zu den Parasympatholytika zählen Wirkstoffe wie Atropin, Butylscopolamin oder Ipratropiumbromid.
Sympathomimetika aktivieren Bindungsstellen, an die Botenstoffe wie Adrenalin oder Noradrenalin binden. Als Spasmolytika werden nur bestimmte Beta-2-Sympathomimetika (β2-Sympathomimetika) wie Fenoterol oder Salbutamol verwendet.
Sie entspannen die glatte Muskulatur in den Bronchien und hemmen Wehen. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass sich die Gefäße erweitern.
Myotrope Spasmolytika, zum Beispiel Papaverin, haben eine direkte Wirkung auf glatte Muskelzellen in Gefäßen. Papaverin löst die Krämpfe, indem es ein Enzym hemmt, die Phosphodiesterase. Dadurch, dass die Phosphodiesterase nicht mehr voll funktionsfähig ist, entstehen weniger Botenstoffe, die dafür sorgen, dass sich die Gefäßmuskelzellen zusammenziehen.
Wie und für welche Beschwerden sollten Spasmolytika eingenommen werden?
Parasympatholytika als Spasmolytika helfen bei Koliken, die durch die plötzliche Verkrampfung der glatten Muskulatur in Organen entstehen. Beispiele sind Magen-, Darm- oder Gallenblasenkoliken. Auch bei der Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) finden Parasympatholytika wie Ipratropiumbromid Anwendung.
Ist die Harnblase und ihre Muskulatur zu aktiv, kommt diese Gruppe der Spasmolytika ebenfalls infrage.
Beta-2-Sympathomimetika finden Anwendung bei der Therapie des Asthmas bronchiale. Kurzwirksame Substanzen wie Salbutamol sorgen beim typischen Asthmaanfall kurzzeitig dafür, dass sich die Bronchien weiten und somit das Atmen leichter fällt. Salbutamol wird inhaliert und wirkt innerhalb von wenigen Sekunden.
Ist die Asthma-Erkrankung fortgeschritten, kann eine langwirksame Therapie notwendig sein. Dann kommen Formoterol oder Salmeterol zum Einsatz – diese wirken ebenfalls bei COPD. Zusätzlich werden bestimmte β2-Sympathomimetika in der Geburtshilfe verwendet, wenn Wehen vorzeitig auftreten.
Papaverin wird oft in der Herzchirurgie angewendet. Es verringert, dass die Herzmuskelgefäße krampfen.
Erhalten Männer, die mit Erektionsstörungen leben, Papaverin, verbessert sich die Durchblutung im Penis. Das Papaverin wird zur Behandlung der Erkrankung meist in den Schwellkörper, also das Gewebe des Penis, gespritzt.
Nicht eingenommen werden sollten bestimmte Beta-2-Sympathomimetika bei hormonellen Erkrankungen wie dem Phäochromozytom. Dabei handelt es sich um einen Tumor der hormonell aktiv ist. Bei Menschen mit dieser Erkrankung werden Botenstoffe wie Adrenalin aus der Nebenniere unkontrolliert freigesetzt.
Gegen die Einnahme von Parasympatholytika sprechen Herzrhythmusstörungen, bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Störungen der Harnausscheidung.
Welche Nebenwirkungen können bei Spasmolytika auftreten?
Beta-2-Sympathomimetika können einen erhöhten Blutdruck, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen verursachen.
Bei Parasympatholytika kommt es ebenfalls oft zu Herzrasen, aber auch zu Mundtrockenheit oder Verdauungsstörungen.
Papaverin führt selten zu Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Störungen des Herzrhythmus oder zu Lähmungen und Bewusstseinsstörungen. Bei der Injektion von Papaverin in den Penis sind schwerwiegende Nebenwirkungen möglich, wie eine dauerhafte Erektion (Priapismus), schwere allergische Reaktionen mit Nesselsucht (Urtikaria), Herzrhythmusstörungen oder Leberschädigung – daher findet die Injektion immer unter ärztlicher Kontrolle statt.
Gibt es Wechselwirkungen mit Spasmolytika?
Parasympatholytika sollten nicht untereinander kombiniert werden, da sich die unerwünschten Nebenwirkungen dann möglicherweise verstärken. Auch die Kombination mit Herzmedikamenten wägen die behandelnden Ärzte sorgfältig ab.
Werden Sympathomimetika gemeinsam mit Wirkstoffen der Gruppe der Monoaminooxidase-Hemmer (kurz MAO-Hemmer) eingenommen, sind Wirkungsabschwächungen möglich. Die gleichzeitige Einnahme mit Sympatholytika, wie zum Beispiel Atenolol, sorgt möglicherweise dafür, dass die gewünschte Wirkung des Betablockers nicht eintritt.
Veröffentlicht am: 13.06.2024
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- A03CC, A03D, A03DC, A03E, A03EA
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Bönisch, H.: Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2016
[2] Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2019
[3] Duquenne, S. et al.: Spasmolytics indication in renal colic: a literature review. Revue Medicale De Liege 64, Nr. 1 (Januar 2009): 45–48.
[4] Mizukami, T. et al.: Duration of Hyperemia with Intracoronary Administration of Papaverine. Journal of the American Heart Association 10, Nr. 3 (2. Februar 2021): e018562
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