Keuchhusten - Symptome, Ursachen & Behandlung

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Keuchhusten ist eine akute hochansteckende Infektionskrankheit der oberen Atemwege. Sie wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst und ist durch eine Grundimmunisierung (Impfung) im Säuglingsalter ab dem 2. Lebensmonat und weitere Auffrischimpfungen im Jugend- und Erwachsenenalter (nach 10 bis spätestens 20 Jahren) vermeidbar. Sie zeichnet sich durch einen anfallsartigen Husten und das typische, namengebenden Keuchen beim Luftholen aus. Eine Keuchhusten-Erkrankung kann sich über mehrere Wochen bis Monate hinziehen und wird gerade bei Erwachsenen häufig als Erkältung verkannt.
Was ist Keuchhusten und was sind die Ursachen?
Keuchhusten (Pertussis) ist eine sehr ansteckende und meldepflichtige Erkrankung der oberen Atemwege. Sie wird über die Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen: Durch Sprechen, Niesen oder Husten aus dem Nasen-Rachen-Raum ausgeschleuderte Bakterien (Bordetella pertussis) breiten sich im Raum auf bis zu einem Meter aus und können so andere Menschen in der Nähe anstecken, wenn sie von diesen eingeatmet werden. Bis zum Ausbruch der Erkrankung dauert es ca. 7 - 20 Tage.
Keuchhusten ist weltweit einer der häufigsten Infektionskrankheiten der Atemwege. Das den Keuchhusten auslösende Bakterium Bordetella pertussis stellt einen Giftstoff her, der die Schleimhäute der Atemwege schädigt. Die Erkrankung durchläuft verschiedene Stadien. Im 1. Stadium ähnelt die Erkrankung einer banalen Erkältung, mit Husten, Niesen, Halsschmerzen und laufender Nase. Im 2. Stadium (welches bis zu 6 Wochen dauert) zeigen sich klassische Merkmale, wie krampfartiger Husten, bis zur Atemnot. Die Hustenattacken treten meist nachts auf. Die Hustenanfälle dauern oft Minuten und können bis zu 50 Mal pro Tag vorkommen. In diesem Stadium haben die Patienten meist keinen Appetit und können kaum oder gar nicht schlafen. Fieber tritt nur selten auf. Das 3. Stadium ist ein Erholungsstadium. Es dauert bis zu 10 Wochen. In dieser Zeit werden die Hustenanfälle allmählich schwächer und die Erkrankung wird erträglicher.
In Deutschland sind durch den meist aktuellen Impfschutz bei den Kindern, Jugendliche und Erwachsene weniger von Keuchhusten betroffen. Der Impfschutz lässt im Laufe der Lebenszeit nach – unabhängig davon, ob man gegen Keuchhusten geimpft wurde oder die Krankheit durchgemacht hat. Wird dieser im Jugend- und im Erwachsenenalter nicht aufgefrischt, stellt diese Personengruppe eine potenzielle Gefahr für noch ungeimpfte Säuglinge, ältere und vorerkrankte Mitmenschen dar. Auch kann ein Geimpfter trotzdem Überträger der Krankheit sein. Zudem ist es durch den fehlenden Schutz möglich, sich mehrmals mit den Keuchhusten-Bakterien zu infizieren und selbst wieder an Keuchhusten zu erkranken. Eine Auffrisch-Impfung kann zum Beispiel im Rahmen der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus erfolgen.
Das gilt auch, wenn Sie schwanger sind, denn so geben Sie bereits die Antikörper gegen Keuchhusten an Ihr Neugeborenes ab und vermitteln ihm auf diese Weise den sogenannten Nestschutz. Über den richtigen Zeitpunkt der Impfung berät Sie in diesem Fall Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe.
Wichtig: Keuchhusten Impfung bereits im Säuglingsalter
Für Neugeborene kann eine Keuchhusten–Erkrankung sehr gefährlich sein. Sehr häufig ist dann eine stationäre Behandlung notwendig. Da sie sich noch nicht aufsetzen können, haben sie starke Probleme abzuhusten. Den einzigen Schutz vor einer Ansteckung in diesem Alter bietet eine entsprechende Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher im Rahmen von drei Teilimpfungen ab der achten Woche die Grundimmunisierung von Säuglingen. Diese sollte vor Vollendung des ersten Lebensjahres abgeschlossen sein.
Was sind die typischen Symptome bei Keuchhusten?
Hat sich ein Mensch mit dem Keuchhusten-Erreger angesteckt, können bis zu drei Wochen vergehen, bis die ersten Symptome auftreten. Das tückische ist, dass Betroffene bereits andere anstecken können, noch bevor sie sich selber krank fühlen.
Da die Keuchhusten-Erkrankung meist 3 Stadien durchläuft kommen auch unterschiedlich starke Symptome vor:
-
1. Stadium: leichte Erkältungsbeschwerden wie
- Schwächegefühl
- Husten
- Schnupfen
- Halsschmerzen
- selten Fieber
-
2. Stadium:
- langwieriger, trockener und anfallsartiger Husten mit typischem Keuchen beim Einziehen der Luft, meistens nachts
- Appetit- und Schlaflosigkeit
- hochwürgen von zähem Schleim
- Erbrechen
- rote Augen, die dadurch entstehen, dass durch den hohen Druck im Kopf während einer Hustenattacke Blutgefäße platzen
- Nasenbluten
- Brüche, zum Beispiel an Rippen oder Leisten
- Selten Fieber
- Gewichtsverlust
- Inkontinenz bei Kindern und älteren Menschen (durch den Druck des Hustens)
-
3. Stadium: ist eine Erholungsphase die bis zu 10 Wochen dauern kann. Hier können kalte Luft, Zigarettenrauch oder körperliche Anstrengung allerdings noch über Monate einen starken Reizhusten auslösen.
- Mittelohrentzündung
- Lungenentzündung
- Krampfanfälle
- Hirnhautentzündung
Bei Neugeborenen oder Säuglingen können zusätzlich noch Komplikationen auftreten. Darunter fallen:
Gefürchtet bei Säuglingen unter sechs Monaten sind die Atemaussetzer während der Hustenanfälle, die zu einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führen können. Mögliche Folgen sind dann Lähmungen sowie Seh-, Hör- oder geistige Störungen.
Wie wird Keuchhusten festgestellt?
Bestehen Erkältungssymptome ungewöhnlich lange oder will der Reizhusten nicht abklingen, ist ein Besuch in der hausärztlichen Praxis ratsam – besonders, weil der Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig auch ohne die klassischen Symptome auftritt. Typische Fragen sind:
- Ob der Husten trocken ist oder Schleim abgehustet wird
- Wie lange der Husten bereits besteht
- Ob nach einer Hustenattacke Probleme beim Luftholen bestehen
Nach einem ausführlichen Gespräch zu den Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen folgt die körperliche Untersuchung. Dabei werden die Atemwege abgehört, der Brustkorb abgeklopft und untersucht, ob eventuell auch eine Komplikation wie eine Lungen- oder Mittelohrentzündung vorliegt.
Eine sichere Keuchhusten-Diagnose lässt sich allerdings nur mit einer Laboruntersuchung stellen. Diese kann in den ersten 2 – 3 Wochen nach Hustenbeginn durchgeführt werden. Dazu bieten sich verschiedene Analyse-Methoden an. Das genaueste Ergebnis liefert die PCR (engl. Polymerase-Chain-Reaction). Mittels dieses empfindlichen Nachweisverfahrens lässt sich die kleine Menge an Erreger-Erbsubstanz aus einem Mund-Rachen-Abstrich vervielfältigen und somit innerhalb weniger Stunden nachweisen. Dies ist bereits möglich, noch bevor das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern auf den eingedrungenen Erreger reagiert. Eine andere Möglichkeit ist die s.g. Serumdiagnostik, die die ggf. im fortgeschrittenen Stadium gebildeten spezifischen Antikörper nachweist.
Wie wird Keuchhusten behandelt?
Ein Antibiotikum ist das Mittel der Wahl, um den Keuchhusten effektiv zu behandeln. Dabei sollte es frühzeitig, das heißt innerhalb der ersten beiden Wochen nach Hustenbeginn, verschrieben und eingenommen werden, um die Dauer und Schwere des Keuchhustens positiv zu beeinflussen. Ein zusätzlicher Nutzen der Antibiotikabehandlung ist, dass erkrankte Menschen andere nicht mehr anstecken und sich so eine Infektionskette unterbinden lässt, solange die Bakterien noch ausgeschieden werden. Kinder können meist zu Hause betreut werden, doch Säuglinge sollten im Krankenhaus behandelt werden, da sie noch nicht in der Lage sind den Schleim abzuhusten und dieser abgesaugt werden muss. Zudem kann dann bei einem Atemaussetzer schnell und professionell gehandelt werden.
Generell gilt für kranke Kinder keine strikte Bettruhe. Es genügt, wenn sie sich körperlich schonen, an der frischen Luft gemäßigt spielen und eine reizarme Umgebung erhalten. Während einer Hustenattacke sollten Kinder beruhigt werden, damit sie leichter atmen. Zudem können ältere Kinder mit Salzwasser inhalieren.
Was können Sie selbst bei Keuchhusten tun?
Sind Sie oder ein Familienmitglied erkrankt, ist es wichtig, sich an den ärztlichen Rat zu halten und das Antibiotikum sowie eventuell weitere verordnete Medikamente entsprechend einzunehmen. Zudem sollten Sie auf eine räumliche Trennung zu anderen, insbesondere aber zu nicht impffähigen Säuglingen, Älteren oder vorerkrankten Menschen achten, falls sie im gleichen Haushalt leben.
Sobald eine Keuchhustenerkrankung diagnostiziert wurde, dürfen Sie oder das erkrankte Familienmitglied nach dem Infektionsschutzgesetz keine Gemeinschaftseinrichtungen, wie zum Beispiel eine Schule, besuchen oder dort tätig sein. Zudem muss die Einrichtung über die Erkrankung informiert werden, weil infizierte Menschen bereits vor Beginn der Beschwerden ansteckend sind. Erst wenn die Betroffenen das Antibiotikum länger als fünf Tage eingenommen haben und das Allgemeinbefinden dies zulässt, können sie eine Tätigkeit oder den Schulbesuch wiederaufnehmen.
Die ständigen Hustenattacken, die eventuell auch mit Erbrechen gepaart sein können, schwächen den gesamten Körper. Viele Menschen verlieren viel an Gewicht. Achten Sie daher auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die dabei helfen kann, den Hustenreiz zu lindern. Um trotz häufig aufeinanderfolgender Hustenanfälle bei Kräften zu bleiben, kann es angenehmer sein, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag zu sich zu nehmen anstelle von drei großen. Eine aufrechte Sitzposition und ein leicht vorgeneigter Kopf erleichtern das Husten bei einem Anfall.
Inhalationen mit Salzwasser sind für ältere Kinder und Erwachsene erholsam.
Vor dem Schlafen gehen kann eine warme Brustwickel mit Zitronensaft, die Symptome etwas mildern und dadurch zu besseren Schlaf führen.
Veröffentlicht am: 14.03.2022
Letzte Aktualisierung: 10.01,2025
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ICD Code(s)
ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen.
- A37
- Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte - https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/index.htm
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Quellen
[1] Impfen.de. Informationen zu Keuchhusten – die Krankheit im Überblick. https://www.impfen.de/impfungen/keuchhusten/
[2] impfen-info.de. Keuchhusten-Impfung bei Erwachsenen. https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/keuchhusten-pertussis/
[3] infektionsschutz.de. Keuchhusten. https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/keuchhusten/#c853
[4] impfen-info.de. Keuchhusten-Impfung bei Kindern. https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-kinder-0-12-jahre/keuchhusten-pertussis/
[5] gesund.bund.de Keuchhusten (Pertussis) https://gesund.bund.de/keuchhusten
[6] Kinder -& Jugendärzte im Netz Keuchhusten (Pertussis) https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/keuchhusten-pertussis/was-ist-keuchhusten-pertussis/
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